Lädensterben in Ravensburg

Veröffentlicht am 07.01.2009 in Kommunalpolitik
 

"Die Stadt verliert ihre Unverwechselbarkeit"

Das Schild an der Tür in der Eisenbahnstraße 14 hat Symbolcharakter: Das Modegeschäft Rosy Hamm schließt zum Jahresende, heißt es da, "nach 35 Jahren in Ravensburg". Wieder eines. "Immer mehr alteingesessene Läden in der Innenstadt geben auf", sagt Gisela Müller. Die Stadträtin sieht die Entwicklung mit großer Sorge.

Sport-Specht, Schuhhaus Keckeisen, Schuh-Mayer, Metzgerei Grüninger, das "Unikart", jetzt Mode-Hamm - so unterschiedlich wie die Geschäfte, so unterschiedlich sind auch die Gründe für die Geschäftsaufgabe. Doch alle Inhaber haben innerhalb der vergangenen zwölf Monate den Schlüssel im Schloss zum letzten Mal herumgedreht. "Wir müssen aufpassen, dass wir auf dem richtigen Weg bleiben, dass uns da nicht eine Entwicklung überrollt", sagt Gisela Müller, die von weiteren drohenden Schließungen beispielsweise in der Eisenbahnstraße und in der Rosenstraße weiß. Ravensburg verliere derzeit unwiederbringlich ein Stück seiner Unverwechselbarkeit und schaffe sich damit dauerhaft neue Probleme.

"Wie in einem Bahnhofsgebiet"

Wie fatal sich manche Straßen im Ravensburger Zentrum entwickelten, sei beispielsweise an der Grüner-Turm-Straße sehr drastisch zu erkennen: "Wenn dort die beiden türkischen Gemüsehändler schließen, dann muss man sich einmal anschauen, was einem künftig auf dem Weg vom Bruderhaus hinauf in die Stadt bis zum Penny-Markt begegnet. Das wird eine Ecke wie in einem üblen Bahnhofsgebiet", sagt die SPD-Stadträtin. Ein Brennpunkt habe sich da bereits zwischen Frauentor und Holzmarkt entwickelt, die Apotheke Vetter und "Grün am Turm" seien enorm wichtig, damit dieser Bereich nicht weiter veröde.

Doch viele kleine Geschäfte kämpften inzwischen mit mannigfaltigen Problemen, die ihren Teil zum Ladensterben beitrügen: Das sehr hohe Mietniveau sei eines davon, sagt Gisela Müller. Wer die Immobilie, in der sich der Laden befindet, nicht besitze, müsse enorm rechnen. Müller: "Das schlägt sich wiederum auf die Vielfalt des Angebotes nieder. Mit Blumen beispielsweise muss man das benötigte Geld erst einmal verdienen." Die Kleinen, so glaubt die Kommunalpolitikerin, hätten in den vergangenen Jahren zunehmend auch Probleme, mit ihren Anliegen bei den Verantwortlichen in der Verwaltung durchzudringen.

Den Wandel in Ravensburg beobachtet sie schon seit Jahren, führt die Konzentration in den Segmenten Sport und Möbel, das Sterben vieler exklusiver Modeboutiquen als weitere Beispiele für eine bedenkliche Entwicklung an. Diese "kreativen und unverwechselbaren" Geschäfte seien wichtig, dazu aber brauche Ravensburg mittelfristig eine echte Attraktion, besonders für das junge Publikum: H&M und Zarah bringt Gisela Müller ins Gespräch, weiß aber zugleich: "Wir haben die Fläche für diese Geschäfte nicht, die nur in eine 1-A-Lage gehen. Diese Läden haben wir schon an Konstanz und Friedrichshafen verloren."

Für die Lehrerin bleibt deshalb auch der weite Blick wichtig: "Wir dürfen die Anziehungskraft unserer Stadt nicht nur vom Thema Einkaufen abhängig machen - gerade nicht in Zeiten, in denen die Geldbörse nicht mehr so locker sitzt."

Drei Punkte fordert Gisela Müller. Die Aufenthaltsqualität im Zentrum zu erhöhen, "unabhängig vom Konsum". Schöne Ecke und hübsche Straßen schaffen will sie, mit Sitzgelegenheiten ohne Verzehrzwang und Blickfängen wie beispielsweise öffentlichen Kunstwerken. Zum zweiten müsse das Wohnen in der Innenstadt attraktiv bleiben. Wohnungen müssten bezahlbar sein, der Verkehr und die Lärmbelästigung reduziert werden. Dazu gehöre - drittens - unter anderem auch der Blick auf eine zunehmende, eine "ausufernde Eventkultur". "Die Leute, die am Marienplatz wohnen, klagen schon sehr." Ravensburg bezeichne sich gerne als nördlichste Stadt Italiens, doch auch in Italien finde man keine Stadt mit einer derart großflächigen Außenbewirtung, glaubt die SPD-Stadträtin.

Der Ravensburger Marienplatz dürfe nicht zur Fressmeile verkommen, hat Gisela Müller jüngst im Gemeinderat gefordert. Das "Überangebot an Gastronomie" hält sie für gefährlich: "Wer soll denn bei dem, was gerade wirtschaftlich passiert, das Geld in diesen Restaurants künftig noch ausgeben?"

Aus der Schwäbischen Zeitung vom 07.01.2009

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